Marie Antoinette in Tecklenburg

Gestern habe ich die Premiere von Marie Antoinette in Tecklenburg besucht und muss sagen das es ein schöner Abend war, aber insbesondere meine Meinung zu den Änderungen im Stück durchwachsen ist.
Zunächst muss ich erwähnen das ich das Stück in Bremen gesehen hatte und dort sehr angetan war (auch wenn ich damit eine Minderheit sein dürfte wenn man den Misserfolg betrachtet). Nichtsdestotrotz war ich aufgeschlossen herangegangen da es natürlich Luft nach oben und Raum für Veränderungen gab.

Die Besetzung war im großen und ganzen sehr gut mit kleinen Abstrichen bei Marc Clear den ich zwar sehr gerne mag, aber der mir für die Rolle des Herzogs von Orlean einfach zu klassisch singt. Ich war da ein großer Fan von Thomas Christs Interpretation der Rolle und fand ihn bereits in Bremen die wesentlich bessere Besetzung für diese Rolle. Dennoch spielt Clear es solide und
ist kein echter Kritikpunkt.
Überrascht hat mich auch Yngve Romdal. Ich war mir im Vorfeld nicht sicher wie er zu der Rolle passt und war sehr angenehm überrascht.

Eine der positiven Änderungen betrifft auch gleich die Rolle des Cagliostro. Mir gefiel es gut das er mehr in die Handlung verwoben wurde. Es gibt wesentlich mehr Stagetime für ihn und er nimmt eine sehr zentrale Rolle ein die die komplette Handlung zu lenken scheint. Eingeführt wird er mit einer Überlangen Robe die zu beben scheint. Optisch ist das ein sehr schönes Bild und wirklich gelungen.

Viele Lieder wurden überarbeitet oder komplett neu hinzugefügt. Oft fand ich sie gelungen und ich denke das sie auch ein Hauptgrund sind wieso das Stück quasi wie ein komplett neues wirkt. Ein echtes Highlight kann ich aber spontan nicht benennen.

Ebenfalls gut gefallen hat mir die kleine Seitenbühne die als Gefängnis und Guillotine genutzt wurde. Besonders die Guillotine wirkt unheimlich gut und ist sehr gelungen.

Leider gab es aber auch Neuerungen die mir so gar nicht zusagen wollten. Als erstes wären da die schwarzen Clowns die zusammen mit Cagliostro auftreten und den Todesengeln bei Elisabeth entlehnt sind. Was die Autoren geritten hat so einen Zirkus aufzuführen ist schwer begreiflich. Während sie anfangs Marie Antoinette noch bedrohlich auf den Pelz rücken sind sie die meiste Zeit doch damit beschäftigt dämlich auf der Bühne herumzutanzen, übertrieben in Charade-Manier darzustellen was gerade besungen wird und eigenartige Fratzen zu ziehen. Zeitgleich probiert z.B. Sabrina Weckerlin als Magrid Arnaud im Vordergrund das Drama ihres Lebens darzustellen was dazu führt das es an den unpassendsten Stellen Lacher gab.

Ein weiterer Kritikpunkt ist aus meiner Sicht, das man sein Publikum für nicht besonders helle zu halten scheint und daher, im Vergleich zur Bremer Fassung, viele Dinge nochmal extra für blöde erklärt. So war es in Bremen beispielsweise so, das zur Familie der Figur der Margrid Arnaud gesagt wurde das die Briefe Ihres Vaters das Siegel des kaiserlichen Österreichischen Hofes trugen. Wer jetzt ein wenig mitdenkt wird merken das angedeutet wird das es sich evtl. um den Kaiser selbst gehandelt haben könnte. Scheinbar dachte man aber das diese ungeheure Transferleistung vom Tecklenburger Publikum nicht zu verlangen ist und man änderte die Erklärung ab indem gesagt wird:”Die Briefe trugen das Siegel des Österreichischen Hofes. Nachforschungen haben ergeben das es sich um ein Mitglied der kaiserlichen Familie oder sogar um den Kaiser selbst gehandelt haben könnte. Der Kaiser könnte Dein Vater gewesen sein” (Gedächtnisprotokoll). Diese und ähnliche Dinge passieren mehrfach und ich kam mir so vor als würde man Glauben ich kapiere nix wenn man es mir nicht buchstabiert.

Ebenfalls schade fand ich das man Cagliostros Szene, in der er die Halsbandaffäre plant, mit einem neuen Lied unterlegt hat denn auch wenn ihm vorher schwer zu folgen war, so war das Lied doch eins meiner liebsten im Stück.

Zu Letzt sei noch erwähnt das der Herzog von Orleans in dieser Version nicht mehr selbst zum Opfer wird. Ich persönlich finde das sehr schade weil es doch andeutete wie auch die Protagonisten der Revolution selbst ihr zum Opfer fallen werden.

Es gab jetzt noch viele kleine Dinge aber in denen möchte ich mich nicht verlieren. Alles in allem war es ein schöner Abend, aber mit Abzügen in der Neugestaltung des Stückes die ich in dieser Masse in Tecklenburg bislang noch nicht zu beklagen hatte. Ich würde insgesamt eine 7,5/10 vergeben und definitiv empfehlen es sich anzusehen.

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2 Comments

  1. Posted 24. June 2012 at 19:37 | Permalink

    Ich stimme dir da vollkommen zu und besser hätte ich es nicht in Worte fassen können! Ich bin da ja eher der “Kurzschreiber” und schreibe nur kurz ob es für sehenswert ist oder nicht!

    Beim nächsten Mal outest du dich aber und machst mal ein Zeichen, dass ich dir zuwinken kann! 😉

    LG

  2. exit
    Posted 26. June 2012 at 06:31 | Permalink

    Ist gut, ich schaue mal ob ich euch finde.

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